Jahre­lang haben sich Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer mehr Home Office gewünscht, aber hatten nicht das Recht, von zu Hause aus zu arbei­ten. Das hat sich mit der Corona-Pande­mie radi­kal gewan­delt. Home-Office wird immer öfter möglich und zum neuen Arbeits­mo­dell. Es ist gera­dezu ein Mega­trend.

Doch nicht nur Beschäf­tigte und Unter­neh­men muss­ten sich der Krise anpas­sen. Auch Univer­si­tä­ten und Hoch­schu­len muss­ten für die Präsenz­lehre schlie­ßen. Profes­so­rin­nen und Dozen­ten haben in den vergan­ge­nen Mona­ten ihre Veran­stal­tun­gen weit­ge­hend ins Netz verla­gert. Für Studen­tin­nen und Studen­ten gilt statt „Home-Office“ plötz­lich „Home-Studium“. Die kurz­fris­tige Umstel­lung der Hoch­schu­len auf orts­un­ab­hän­gige und digi­tale Lehre in den vergan­ge­nen Mona­ten hat insge­samt gut geklappt. Zu diesem Ergeb­nis kommt eine gemein­same Studie des Stif­ter­ver­bands und der Unter­neh­mens­be­ra­tung McKin­sey, an der sich im Juli und August mehr als 11.000 Studie­rende sowie rund 1.800 Hoch­schul­lehr­kräfte betei­lig­ten und die ein erstes Resü­mee des von Corona gepräg­ten Sommer­se­mes­ters zieht.

Doch wie muss es eigent­lich den dies­jäh­ri­gen Abitu­ri­en­ten gerade gehen? Im Früh­jahr erwer­ben schät­zungs­weise 400.000 junge Menschen das Abitur oder die Fach­hoch­schul­reife. In den Tages­zei­tun­gen häufen sich die Schlag­zei­len rund um das soge­nannte „Corona-Abi“. Von Unter­richts­aus­fall, Lern-Schwie­rig­kei­ten, Über­for­de­rung und Angst wird berich­tet. Die neuen Umstände durch die Corona-Krise werden beson­ders für diese jungen Menschen zur Belas­tungs­probe. #Genera­tionCo­rona ist schon ein Schlag­wort in den Social Media geworden.

Hinzu kommt die Unge­wiss­heit, ob Work and Travel, Jobs als Au-pair und ähnli­che Akti­vi­tä­ten, mit denen viele Abitu­ri­en­ten und Abitu­ri­en­tin­nen sonst das Jahr nach der Prüfung verbrin­gen, in diesem Jahr möglich sein werden. Aus diesem Grund ist damit zu rech­nen, dass vermut­lich noch mehr junge Menschen als sonst ­direkt an die Hoch­schu­len gehen wollen. Der Wett­be­werb um begehrte Studi­en­plätze verschärft sich. Es entsteht Leistungsdruck.

Eltern, die von Zuhause aus arbei­ten, spüren die Anspan­nung ihrer Kinder. Oft sind diese aber durch das „Home-Office“ selbst stark einge­spannt und müssen sich an die neue Situa­tion erst gewöh­nen, sich selbst vor Über­for­de­rung schüt­zen. Trotz­dem möch­ten sie ihr Kind/ihre Kinder in dieser schwe­ren Situa­tion, von der so viel für die Zukunft abhängt, best­mög­lich unter­stüt­zen. Doch wie kann man als Eltern­teil das Kind/die Kinder wieder zum Vorbe­rei­ten, Lernen, für ein Studium oder für ein Gap Year moti­vie­ren? Wie orga­ni­siert man Heimunterricht?

Wir haben 5 Tipps zusammengestellt:

1. Zeit­plan mit festen Lern- und Schreibeinheiten

Feste Zeiten für das Lernen sind für junge Menschen sehr wich­tig. Beson­ders wenn es um Home­schoo­ling geht. Studien haben erge­ben, dass sich Lern­ein­hei­ten von fünf­zig Minu­ten, gefolgt von zehn Minu­ten Pause, bewährt haben. Nach durch­schnitt­lich einein­halb Stun­den sinkt die Konzen­tra­tion massiv, spätes­tens dann ist es Zeit für eine klar defi­nierte Pause. Wenn Abitu­ri­en­ten und Abitu­ri­en­tin­nen zu verschie­de­nen Fächern lernen wollen, wird ein länge­res Pausen­in­ter­vall zwischen den einzel­nen Lern­pha­sen empfoh­len. Hier­bei gilt jedoch immer in sich hinein­zu­hö­ren. Gerade der Biorhyth­mus von jungen Menschen wider­spricht dem früh­mor­gend­li­chen Schul­an­fang, der eher von dem Arbeits­rhyth­mus der Erwach­se­nen vorge­ge­ben wird. Eltern können versu­chen, für ihre Kinder als dezente Takt­ge­ber zu fungie­ren, z.B. indem sie in regel­mä­ßi­gen Abstän­den einen Kaffee oder einen Snack anbieten.

2. Rück­sicht nehmen und Mut zusprechen

Die aktu­elle Situa­tion hat natür­lich auch einen großen Einfluss auf die Emotio­nen junger Menschen. Kommu­ni­ka­tion ist wich­ti­ger denn je. Gesprä­che über Probleme und Lern­blo­cka­den können echte Wunder bewir­ken. Die Beibe­hal­tung tägli­cher Routi­nen kann zwar dabei helfen, mit der Situa­tion klar­zu­kom­men. Wenn man zu strikt auf die Einhal­tung der Routi­nen pocht, erreicht man jedoch gerade bei jungen Menschen das Gegen­teil des Bezweck­ten. Wich­ti­ger ist an gemein­sa­men Lösun­gen zu arbei­ten und Vorschläge für einen besse­ren Lern­er­folg zu bespre­chen. Bei Lern­blo­cka­den können spie­le­ri­sche Lern­for­men, wie zum Beispiel quiz­ar­tige Formate, aber auch digi­tale Lern-Ange­bote, die Spaß machen, helfen. Spre­chen Sie gele­gent­lich auch Mut zu und loben Sie Erfolge.

3. Doku­men­ta­tion der Lern­er­folge und Fokus

Die Doku­men­ta­tion von Lern­er­fol­gen ist eine geeig­nete Methode, um den Fokus nicht zu verlie­ren. Ein digi­ta­les Lern­ta­ge­buch eignet sich dafür zum Beispiel sehr gut. Das ermög­licht den Lernen­den die inhalt­li­che Ausein­an­der­set­zung mit dem Lern­stoff und die Refle­xion des eige­nen Lern­pro­zes­ses in schrift­li­cher Form. Die Lernen­den entschei­den dabei selbst, mit welchen inhalt­li­chen Aspekten/Schwerpunkten sie sich ausein­an­der­set­zen möch­ten. Der Lern­stoff soll so indi­vi­du­ell struk­tu­riert, mit vorhan­de­nem Wissen verknüpft und Verständ­nis­pro­bleme sowie posi­tive Lern­fort­schritte aufge­deckt werden. Eltern können das Lern­ta­ge­buch vorschla­gen, daran erin­nern oder mit ihrem Kind/Kindern bespre­chen: Was muss noch gelernt werden? Wie soll gelernt werden? Welches Teil­ge­biet soll als nächs­tes bear­bei­tet werden? Außer­dem kann das Erstel­len von Themen-Über­sich­ten helfen. Viel­leicht akzep­tie­ren die Jugend­li­chen eine sicht­bare Liste mit den Lern­auf­ga­ben in der Küche, auf der sie für alle sicht­bar die erle­dig­ten Aufga­ben dick durch­strei­chen. Das ist Ansporn und (Selbst-)Kontrolle zugleich.

4. Das Drum­herum: z.B. Bewegte Pause und rich­ti­ger Lernplatz

Achten Sie darauf, dass Ihr Kind/Ihre Kinder einen gut ausge­stat­te­ten Lern­platz haben. Ein zwei­ter Bild­schirm, ein ergo­no­mi­scher Stuhl, gute Licht­ver­hält­nisse. All das sind Punkte, die ebenso zum erfolg­rei­chen Lernen beitra­gen. Stun­den­lang vor dem Bild­schirm zu sitzen tut nieman­den gut. Deshalb ist es sehr wich­tig, regel­mä­ßig Pause zu machen, am besten mit Bewe­gung, und genug Wasser zu trin­ken. Eltern soll­ten ihren Jugend­li­chen durch­aus auch Getränke ins Zimmer brin­gen – das verknüpft Aufmerk­sam­keit, Zuspruch und ein biss­chen Kontrolle. Auch während der stres­si­gen Prüfungs­vor­be­rei­tung soll­ten sich junge Menschen nicht von allem und jedem abkap­seln. Manch­mal wirkt es Wunder, wenn sie sich zwischen­durch mit Klas­sen­ka­me­ra­den per Online-Konfe­renz (Discord, Zoom, Skype, Webex etc..) tref­fen und austau­schen. Viel­leicht haben die Abitu­ri­en­ten und Abitu­ri­en­tin­nen auch gegen­sei­tig noch ein paar Tipps parat oder können sich motivieren.

5. Prüfungs­angst vorbeugen

Das eine Kind hat mehr, das andere weni­ger Prüfungs­angst. Sie können, gemein­sam mit Ihrem Kind noch weit vor der eigent­li­chen Prüfung den Druck heraus­neh­men. Am wich­tigs­ten ist, dass Eltern nicht zusätz­lich Druck aufbauen, indem sie z.B. eine bestimmte Abitur­note einfor­dern. Es muss immer klar sein, dass die Liebe der Eltern in keiner Weise von den Prüfungs­er­geb­nis­sen abhängt. Manch­mal kann es auch helfen, von den eige­nen, viel­leicht subop­ti­mal gelau­fe­nen Abitur­prü­fun­gen zu erzäh­len und gemein­sam darüber zu lachen.

Darüber hinaus können Eltern kleine Hilfe­stel­lun­gen geben:

  • Sich nach der Prüfungs­angst der Kinder erkun­di­gen, darüber spre­chen und klar­ma­chen, dass Nervo­si­tät normal ist
  • Die Prüfungs­si­tua­tion durch­spie­len, viel­leicht auch ein biss­chen witzig-ironisch – die Eltern spie­len dabei den Lehrer oder die Lehrerin
  • Entspan­nungs­übun­gen
  • Alles rund um die Abitur­prü­fun­gen entspannt und posi­tiv formu­lie­ren, keine nega­ti­ven oder angst­ein­flö­ßen­den Bemer­kun­gen machen
  • Visua­li­sie­rung einer hervor­ra­gend laufen­den Prüfung – wie würde es sich anfüh­len, wenn alles opti­mal gelau­fen ist?

Eine inter­es­sante Auflis­tung an Tipps, aber noch nicht genug? Sie möch­ten sich zu diesem Thema lieber mit einem Profi oder ande­ren Eltern austau­schen? In unse­ren kosten­lo­sen Mini-Webi­na­ren für Eltern, gibt die ehema­lige Hoch­schul­prä­si­den­tin und Kompass Zukunft Grün­de­rin Prof. Dr. Chris­tiane Dienel , weitere hilf­rei­che Ratschläge, wie Sie Ihre Kinder erfolg­reich in dieser schwe­ren Situa­tion, Abitur im Lock­down, unter­stüt­zen können. Die Teil­nahme erfor­dert nur eine Regis­trie­rung und ist kostenlos.

Natür­lich haben wir auch an Abitu­ri­en­ten und Abitu­ri­en­tin­nen gedacht, die gerade in der Corona-Pande­mie auf Unter­stüt­zung ange­wie­sen sind: Ab sofort bieten wir zwei neue Kompass Zukunft Online-Programme, den Kompass Star­ter und Kompass Abi, an. Wir beglei­ten Ihr Kind indi­vi­du­ell durch die gesamte Abi-Prüfungs­zeit. Weitere Infos gibt es hier