Viele ange­hende Abitu­ri­en­tin­nen und Abitu­ri­en­ten freuen sich auf nichts so sehr wie auf das Jahr nach dem Abitur, auf Deng­lish oft „Gap Year“ genannt. Endlich chil­len klingt gut. Zum ersten Mal wegkom­men von zu Hause und auf eige­nen Füßen stehen, ist für Jugend­li­che äußerst reiz­voll. Und nicht wenige lockt auch das ganz große Aben­teuer, viel­leicht im Entwick­lungs­dienst in Indien oder einem afri­ka­ni­schen Land oder beim Erdbeer­pflü­cken in Neuseeland.

Nach dem vielen Pauken und der oft stres­si­gen Ober­stu­fen­zeit im G‑12 erfüllt das „Gap Year“ auch eine ganz wich­tige entwick­lungs­psy­cho­lo­gi­sche Funk­tion: Es gibt den Frei­raum, über sich selbst nach­zu­den­ken und sich neu zu erfin­den. Auf dieser Grund­lage kann eine bewusste Entschei­dung über den eige­nen Berufs- und Lebens­weg gelin­gen. Corona hat diesen Plänen in ganz vielen Fällen ein plötz­li­ches Ende berei­tet. Nichts geht mehr: kein Auslands­jahr, kein Auszie­hen von Zuhause, kein fröh­li­ches Chil­len auf Abifei­ern und Parties. Für die jünge­ren Schü­ler­jahr­gänge wird der verpasste Lehr­stoff nur schwer aufzu­ho­len sein. Das verpasste Jahr Charak­ter­bil­dung und Entwick­lung zur Selb­stän­dig­keit kann aber den Lebens­weg noch deut­lich mehr beeinträchtigen.

Alter­na­ti­ven zum Gap Year in Corona-Zeiten

Was gibt es für Alter­na­ti­ven? Viele Jugend­li­che entschei­den sich, ohne Gap Year einfach mit dem Studium anzu­fan­gen. Diese Studi­en­ent­schei­dun­gen werden oft über­stürzt oder zufäl­lig gefällt, so dass über­durch­schnitt­lich häufig ein Studi­en­ab­bruch folgt. Natür­lich kommt es häufig vor, dass der Studi­en­gang in den ersten Semes­tern einmal gewech­selt wird. Aber das eigene Schei­tern zu erle­ben, ist für junge Menschen immer ein Risiko; es beein­träch­tigt das eigene posi­tive Selbst­bild und gefähr­det einen erfolg­rei­chen Studienabschluss.

Andere Jugend­li­che blei­ben zuhause wohnen und verbrin­gen die Zeit mit Schü­ler­jobs oder viel­leicht einem Prak­ti­kum – auch schwie­ri­ger als vor Corona. Im ungüns­tigs­ten Fall vergeht das Jahr nach dem Abitur unter Corona-Bedin­gun­gen mit viel Leer­lauf und endlo­sem Compu­ter­spie­len oder Smart­phone-Tippen. So ein Jahr bringt – das haben wissen­schaft­li­che Studien deut­lich erwie­sen – junge Menschen einer guten Studi­en­ent­schei­dung nicht näher.

Ein gutes Gap-Year trotz Corona – wie geht das?

Die Situa­tion ist vertrackt, aber es gibt Möglich­kei­ten, auch unter den Pande­mie-beding­ten Einschrän­kun­gen ein gutes, inten­si­ves Gap Year zu erle­ben und sich persön­lich weiter­zu­ent­wi­ckeln. Wich­tig ist, die Zeit aktiv zu gestal­ten und dafür zu nutzen, die eige­nen Lebens­ziele und Studi­en­prä­fe­ren­zen heraus­zu­fin­den. Wie geht das? Am wich­tigs­ten ist, die eigene „Komfort­zone“ zu verlas­sen, nicht nur das Nahe­lie­gendste zu machen, sondern sich Heraus­for­de­run­gen zu stel­len. Alle neuen Erfah­run­gen, ange­nehme ebenso wie unan­ge­nehme, sind eine Chance, um daran zu wachsen.

Eltern können dabei wich­tige Hilfe­stel­lung leis­ten: Sie können ermu­ti­gen, etwas auszu­pro­bie­ren. Und wenn das Verhält­nis zu den erwach­se­nen Kindern gut ist, können sie sich auch als Gesprächs­part­ner anbie­ten. Zumeist ist es aber für junge Menschen leich­ter, exis­ten­zi­elle Fragen nicht nur mit ihren Eltern, sondern mit ande­ren wohl­wol­len­den Erwach­se­nen zu bespre­chen. Es gehört auch Mut dazu, sich aufkom­men­den Fragen zu stel­len: Wie geht es mir damit, viele Stun­den am Tag zu arbei­ten? Wie komme ich damit zurecht, Anwei­sun­gen von Vorge­setz­ten auszu­füh­ren? Fällt es mir schwer, meine Zurück­hal­tung zu über­win­den und auf Menschen zuzu­ge­hen? Wie könnte ich das ändern? Will ich vor allem meinen Inter­es­sen folgen, oder spielt für mich wirt­schaft­li­che Sicher­heit und Wohl­stand auch eine große Rolle?

Für ein gutes Gap Year und eine gelin­gende Studi­en­wahl ist am Ende entschei­dend, dass junge Menschen sich mit solchen Fragen ernst­haft und inten­siv ausein­an­der­set­zen. Ob das in Neusee­land passiert oder im deut­schen Mittel­ge­birge, ob mit oder ohne Maske – darauf kommt es nicht an.

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